Kungsleden

Mit dem Hundeschlitten durch das Herz des schwedischen Fjälls

Ab Februar begann jedes Jahr für mich die wohl beeindruckendste Zeit des Winters. Von Abisko aus führte ich mehrtägige Hundeschlittentouren auf dem legendären Kungsleden bis nach Nikkaluokta mitten durch die wilde Bergwelt Nordschwedens.

Unsere Route führte vorbei an den abgelegenen STF Hütten in Abiskojaure, Alesjaure, Tjäktja, Sälka und Singi. Tag für Tag legten wir viele Kilometer durch eine Landschaft zurück, in der es weder Straßen noch Dörfer gab. Nur endlose Weite, schneebedeckte Gipfel und die Kraft unserer Hunde.

Der Tag begann lange vor Sonnenaufgang.

Während draußen eisige Temperaturen herrschten, warteten die Hunde bereits voller Vorfreude. Das Anschirren war begleitet von aufgeregtem Bellen. Jeder Hund wollte laufen. Jeder wollte als Erster los.

Doch in dem Moment, in dem sich der Schlitten in Bewegung setzte, kehrte Ruhe ein.

Plötzlich hörte man nur noch das leise Gleiten der Kufen über den Schnee, das rhythmische Atmen der Hunde und den Wind, der über das Fjäll strich.

Jeder Tag erzählte seine eigene Geschichte.

An manchen Tagen schenkte uns das Fjäll strahlenden Sonnenschein. Die Berge wirkten zum Greifen nah, die Luft war glasklar und der Kebnekaise ragte majestätisch über die verschneiten Gipfel hinaus. Es waren Momente, in denen die Zeit stillzustehen schien.

Doch nur wenige Stunden später konnte sich alles verändern.

Dunkle Wolken zogen auf. Der Wind nahm zu. Schnee wurde über die Hochebenen gepeitscht, bis Himmel und Erde miteinander verschmolzen. Die Sicht betrug manchmal nur noch wenige Meter. Orientierung gaben dann nur noch die roten Kreuze des Winterwegs. Im Whiteout verschwanden Berge, Täler und jede Spur – übrig blieben Erfahrung, Konzentration und das Vertrauen in die Hunde.

Der Tjäktjapass, der höchste Punkt des Kungsleden, verlangte Mensch und Tier immer wieder alles ab. Hier oben entscheidet nicht der Mensch allein über den Weg. Hier bestimmt die Natur, was möglich ist.

Als Guide trug ich die Verantwortung für meine Gäste, für jedes einzelne Hundeteam und für jede Entscheidung. Weiterfahren oder umkehren? Auf Wetter hoffen oder Schutz suchen? Im Fjäll gibt es keine zweite Chance. Die Natur verzeiht keine Fehler.

Am Nachmittag erreichten wir schließlich eine der kleinen STF-Hütten mitten in den Bergen. Doch bevor wir selbst zur Ruhe kamen, hatten immer die Hunde Vorrang. Geschirre wurden gelöst, Pfoten kontrolliert, Wasser geschmolzen und Futter vorbereitet. Erst wenn alle Hunde versorgt waren und zufrieden im Stroh lagen, begann auch für uns der Abend.

Draußen heulte oft noch der Wind um die Hütten.

Drinnen knisterte das Feuer.

Und genau in diesen Momenten wurde einem bewusst, wie klein der Mensch in dieser gewaltigen Landschaft eigentlich ist.

Diese Touren waren weit mehr als Hundeschlittenfahrten.

Sie waren Tage voller Verantwortung, Vertrauen und Respekt vor einer Natur, die sich nicht planen lässt. Sie haben mich geprägt wie kaum etwas anderes.

Das Fjäll lehrt einen Demut. Es zeigt dir deine Grenzen, belohnt dich mit unvergesslichen Augenblicken und erinnert dich jeden Tag daran, dass wir hier draußen nur Gäste sind.